Weltfriede

„Weltfriede ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich“

Dieser Satz aus einer Friedensbotschaft des obersten Bahá’í-Gremiums an die Völker der Welt ist Programm. Das Universale Haus der Gerechtigkeit weist damit auf einen Umstand hin, der vielfach noch als Traum angesehen wird: Gegenwärtig befindet sich die Menschheit in einem rasanten Entwicklungsprozess, der unaufhaltsam der Welteinheit zustrebt.

Sicher, bei diesem Thema wenden sich die Gedanken schnell den nach wie vor weltweit schwelenden oder mit aller Brutalität offen ausgetragenen bewaffneten Konflikten zu. Doch ist schon jetzt ein deutlicher Wandel erkennbar. Die Weltgemeinschaft stellt sich immer häufiger vereint Aggressoren entgegen. Armeen erhalten früher nie gekannte Aufgaben, Stichwort »Friedenssicherung«. Damit ein dauerhafter Friede erreicht wird, sind jedoch noch erhebliche Anstrengungen vonnöten.

»Kein ernst zu nehmender Versuch zur Regelung menschlicher Belange, zur Schaffung des Weltfriedens, kann die Religion außer acht lassen. … Dass die Perversion« der Religion durch den Menschen »beträchtlich zu der Verwirrung in der Gesellschaft und den Konflikten in und zwischen den Menschen beigetragen hat, kann kaum geleugnet werden. Aber ein objektiver Betrachter kann auch den entscheidenden Einfluss der Religion auf die lebendigen Ausdrucksformen der Kultur nicht unberücksichtigt lasen. … Über die Religion als gesellschaftsbildende Kraft sagt Bahá’u’lláh:
„Religion ist das wichtigste Mittel zur Begründung von Ordnung in der Welt und zur Befriedung aller, die darin wohnen.“

Religiöser Fanatismus hat mit der vitalen Kraft, durch die Religionsstifter in allen Epochen der Menschheit geistige Erneuerung brachten, nichts zu tun. Er ist eine Ausgeburt egozentrischen Machthungers und als solcher mit den Mitteln geistiger Auseinandersetzung und Aufklärung zu beseitigen.

Zur Errichtung eines dauerhaften Friedens müssen soziale und wirtschaftliche Grundprobleme der Menschheit mutig in Angriff genommen werden. Ohne die Beseitigung von Rassismus, Fanatismus, ungezügeltem Nationalismus, ohne einen Ausgleich zwischen den Extremen von Armut und Reichtum, die Emanzipation der Frau, universale Erziehung oder einer weltweiten Kommunikation in einer gemeinsamen Sprache und Schrift (zusätzlich zur Muttersprache), kann dieses Ziel nicht erreicht werden.

„Die Hauptfrage, die es zu lösen gilt, lautet, wie die heutige Welt mit ihren tiefsitzenden Konfliktstrukturen in eine Welt verwandelt werden kann, in der Eintracht und Zusammenarbeit vorherrschen.“ „Eine Welt, die zur Reife heranwächst, muss diesen Fetisch «Nationalstaat» aufgeben, die Einheit und Ganzheit der menschlichen Beziehungen erkennen und ein für allemal den Apparat aufrichten, der diesen Leitgrundsatz ihres Daseins am besten zu verkörpern vermag.“

„Ein Drang zur Einheit kommt, einem geistigen Frühling gleich, in zahllosen internationalen Kongressen zum Ausdruck, die Menschen aus einem breiten Spektrum von Wissensgebieten zusammenführen. … Der Drang zur Welteinheit ist im unablässigen Ringen mit der entgegengesetzten Tendenz zu Kriegsführung … einer der beherrschenden, allgegenwärtigen Wesenszüge des Lebens auf dem Planeten in unserer Zeit.“

In den Erfahrungen der Bahá’í-Gemeinschaft kann man ein Beispiel für diese wachsende Einheit sehen. Sie ist eine Gemeinschaft mehrerer  Millionen Menschen aus vielen Völkern, Kulturkreisen, Klassen und Glaubensrichtungen, die sich in vielen Ländern auf einem weiten Tätigkeitsfeld dem Dienst an den geistigen, sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der Völker widmen, ein einziger gesellschaftlicher Organismus, repräsentativ für die Mannigfaltigkeit der Menschheitsfamilie.

Sie regelt ihre Angelegenheiten durch ein System allgemein anerkannter Beratungsprinzipien und achtet alle großen Offenbarungen der Führung Gottes in der Menschheitsgeschichte gleichermaßen hoch. Ihre Existenz ist ein … überzeugender Beweis für die praktische Anwendbarkeit der Vision ihres Stifters von einer geeinten Welt, ein weiteres Zeugnis dafür, dass die Menschheit als globale Gesellschaft leben kann und jeder Herausforderung … gewachsen ist.

Durch alle Jahrhunderte war es die große Sehnsucht der Menschen, in Frieden miteinander zu leben. In immer größeren Einheiten wurde dies auch verwirklicht, begonnen mit der Sippe über kleine Fürstentümer bis hin zur Nation. Die Zeit ist gekommen, den sich weltweit bereits auf wirtschaftlichem Gebiet vollziehenden Prozess der Globalisierung und des Miteinanders auf eine tragfähige geistige und ethische Grundlage zu stellen, damit die grausame Geißel des Krieges endlich von diesem Planeten verschwindet und alle Menschen von den Segnungen einer geeinten Weltgemeinschaft profitieren können.