Umweltschutz

Der Zugang der Bahá’í-Weltgemeinschaft zur Bewahrung und zum Schutz der Erde und ihrer Hilfsquellen beruht auf einer Anzahl grundlegender, aus den Bahá’í-Schriften hergeleiteter Prinzipien, darunter:

Die Natur als Widerspiegelung des Göttlichen
Die Natur wird hoch geachtet. Der Stifter der Bahá’í-Religion, Bahá’u’lláh, erklärt:
„Die Natur ist Gottes Wille, dessen Ausdruck in der bedingten Welt und durch diese. Sie ist Teil des Waltens der Vorsehung, verordnet von dem Verordner, dem Allweisen.“

Die Erde – Ein Land
Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild auf der Grundlage:
„Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.“ Er ruft die Menschen dazu auf, „dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen.“

Stufe und Verantwortung des Menschen
Der Mensch, ausgestattet mit einer inneren Fähigkeit, die Pflanzen und Tiere nicht besitzen, vermag die Geheimnisse der Natur zu entdecken und Oberhand über die Umwelt zu gewinnen, und trägt daher die besondere Verantwortung, seine ihm von Gott verliehenen Kräfte für gute Zwecke einzusetzen. Das oberste Gremium der Bahá’í-Weltgemeinde, das Universale Haus der Gerechtigkeit, weist darauf hin, wie wichtig es ist, dass „diese Verantwortung richtig wahrgenommen wird, denn davon hängt es ab, ob sein (des Menschen) erfinderischer Genius segensreiche Ergebnisse hervorbringt oder Zerstörung in der materiellen Welt verursacht.“

Die Einstellung zur materiellen Welt – Wechselwirkung zwischen dem Geistigen und dem Materiellen
In den Bahá’í-Schriften heißt es:
„Solange … materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist. Denn obwohl einerseits die materiellen Errungenschaften und die Entwicklung der stofflichen Welt zu einem Wohlstand führen, der die gesteckten Ziele vorzüglich offenbart, drohen daraus doch andererseits Gefahren, schweres Unheil und gewaltige Not.“


Praktische Umsetzung erfahren diese geistigen Prinzipien auf vielfältige Weise. Neben eigenen Projekten engagieren sich die Bahá’í z.B. auch im Rahmen der Agenda 21, einem Programm zur weltweiten Entwicklung, das im Rahmen des Weltgipfels in Rio de Janeiro 1992 entwickelt wurde, und das sich aus dem ursprünglichen Anliegen des Umweltschutzes mittlerweile auf alle Bereiche menschlichen Miteinanders erstreckt. Nach den Bahá’í-Lehren empfiehlt sich die Orientierung an folgenden Punkten:

Wahrung der Hilfsquellen
Die Bewahrung und Gewinnung der Hilfsquellen der Erde stehen nach den Bahá’í-Lehren im Zusammenhang mit der Aufgabe, „die materielle Welt zu schützen und das Erbe zukünftiger Generationen zu wahren“.

Kontrolle der natürlichen Hilfsquellen
Die Bahá’í-Schriften sehen vor, dass zu einem späteren Zeitpunkt der Schutz, die Erforschung und Nutzung der „unvorstellbar großen Hilfsquellen“ der Erde unausweichlich unter die Zuständigkeit eines „Weltbundessystems“ fallen werden. Ein solches System, das auf der Anerkennung der Einheit der Menschheit begründet ist, wird nicht nur „unanfechtbare Amtsgewalt“ über die Hilfsquellen der Erde ausüben, sondern auch für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit sorgen. 

Vorgehensweise zum Umweltschutz

Bewahrung und Schutz der Umwelt müssen sowohl vom einzelnen als auch von der Gesellschaft getragen werden. In den Bahá’í-Schriften heißt es:
„Wir können unser Herz nicht von unserer Umwelt trennen, die uns umgibt, und behaupten, dass alles sich zum Bessern verändert, wenn erst einmal eins von diesen beiden neu gestaltet ist. Der Mensch ist organisch mit der Welt verbunden. Sein inneres Leben gestaltet die Umwelt und wird zutiefst von ihr beeinflusst. Eins wirkt auf das andere, und jede bleibende Veränderung im Leben des Menschen ist das Ergebnis dieser Wechselwirkungen.
… Wir bedürfen einer Umwandlung der Herzen, einer Neugestaltung all unserer Auffassungen und einer Neuorientierung unserer Tätigkeiten. Das Innenleben des Menschen wie auch die äußere Umwelt müssen umgebildet werden, soll die Rettung der Menschheit sichergestellt sein.“

Das Bild der Zukunft
Nach den Bahá’í-Lehren steht der Welt ein goldenes Zeitalter bevor, sofern sich die Menschen ihrer gemeinsamen Verantwortung bewusst werden und sich den grundlegenden göttlichen Prinzipien zuwenden.

„Der Herr der ganzen Menschheit hat das Menschenreich zum Garten Eden, zum irdischen Paradies gestaltet. Findet das Menschenreich den Weg, den es finden muss, zu Eintracht und Frieden, zu Liebe und allseitigem Vertrauen, so wird es ein wahres Gefilde der Seligkeit, eine Stätte vielfältigen Segens und unendlicher Wonne. Dann wird die Menschheit ihre Vortrefflichkeit offenbaren, dann wird die Sonne der Wahrheit ihre Strahlen auf alle Lande werfen.“